Nachschlagewerk für Angehörige
Pflegelexikon
Fachbegriffe aus Intensivpflege, Beatmung und Pflegerecht — verständlich erklärt.
79 Begriffe im Lexikon
A
- ABEDL nach Krohwinkel ABEDL ABEDL ist ein Pflegemodell, das die Pflege entlang der Aktivitäten, Beziehungen und existenziellen Erfahrungen des Lebens strukturiert.
- Absaugen Absaugen bezeichnet das Entfernen von Sekret aus den Atemwegen mit einem Katheter und einem Absauggerät.
- ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ALS ALS ist eine fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, bei der die Nervenzellen zugrunde gehen, die die Muskulatur steuern.
- Anschubfinanzierung Die Anschubfinanzierung ist ein einmaliger Zuschuss der Pflegekasse für die Gründung einer ambulant betreuten Wohngruppe.
- Aspiration Von Aspiration spricht man, wenn Speichel, Nahrung, Flüssigkeit oder Mageninhalt in die Luftröhre und die tieferen Atemwege gelangt statt in die Speiseröhre.
- Atemtherapie Atemtherapie umfasst Techniken und Übungen, die die Atmung unterstützen und den Abtransport von Sekret erleichtern sollen.
- Außerklinische Intensivpflege Intensivpflegerische Versorgung außerhalb des Krankenhauses, geregelt in § 37c SGB V. Themenseite
B
- Basale Stimulation Basale Stimulation ist ein Pflegekonzept, das Menschen mit stark eingeschränkter Wahrnehmung über gezielte Reize für Berührung, Bewegung und Sinne erreichen soll.
- Beatmungsfilter HME Ein Beatmungsfilter ist ein Aufsatz für die Trachealkanüle, der die Atemluft anfeuchtet, erwärmt und filtert.
- Beatmungspflege Pflegerische Versorgung von Menschen, die dauerhaft auf ein Beatmungsgerät angewiesen sind. Themenseite
- Begutachtung zum Pflegegrad Bei der Begutachtung nach § 18 SGB XI ermittelt der Medizinische Dienst in sechs Modulen, wie selbstständig eine Person ihren Alltag bewältigt. Aus der Punktzahl ergibt sich der Pflegegrad.
- Behandlungspflege Behandlungspflege umfasst ärztlich verordnete medizinische Maßnahmen, die von Pflegefachkräften durchgeführt werden.
- Beratungseinsatz Der Beratungseinsatz nach § 37 Abs. 3 SGB XI ist ein regelmäßiger Beratungsbesuch in der eigenen Häuslichkeit, den Pflegegeldempfänger abrufen müssen.
- Betreuungsleistungen Angebote zur Begleitung im Alltag, die neben der pflegerischen Versorgung erbracht werden. Themenseite
D
- Dekanülierung Dekanülierung bezeichnet das dauerhafte Entfernen der Trachealkanüle, nach dem sich das Tracheostoma verschließen kann.
- Dekubitusprophylaxe Dekubitusprophylaxe umfasst pflegerische Maßnahmen, die dem Entstehen von Druckgeschwüren entgegenwirken sollen.
- Demenz Demenz bezeichnet den fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten wie Gedächtnis, Orientierung und Sprache, der die selbstständige Lebensführung zunehmend einschränkt.
- Demenz-Wohngemeinschaft Wohnform, in der Menschen mit Demenz gemeinsam leben und rund um die Uhr betreut werden. Themenseite
- Dysphagie Dysphagie ist der medizinische Begriff für eine Schluckstörung, bei der Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel nicht sicher geschluckt werden können.
E
- Eins-zu-eins-Versorgung Bei der Eins-zu-eins-Versorgung ist eine Pflegefachkraft während ihres Dienstes ausschließlich für einen Menschen zuständig.
- Enterale Ernährung Enterale Ernährung bezeichnet die Zufuhr von Nahrung über eine Sonde direkt in den Magen-Darm-Trakt.
- Entlastungsbetrag Der Entlastungsbetrag ist ein monatlicher Betrag der Pflegekasse, der ab Pflegegrad 1 für bestimmte Unterstützungsangebote eingesetzt werden kann.
H
- Häusliche Krankenpflege Häusliche Krankenpflege ist die ärztlich verordnete pflegerische Versorgung zu Hause, die eine Krankenhausbehandlung vermeidet oder das Ziel der ärztlichen Behandlung sichert. Sie ist eine Leistung der Krankenkasse nach § 37 SGB V.
- Heimbeatmung Heimbeatmung bezeichnet die maschinelle Beatmung außerhalb der Klinik, also in der eigenen Wohnung oder in einer Wohngemeinschaft.
I
- Intensivpflege Pflegerische Versorgung von Menschen mit besonders hohem und ständigem Überwachungsbedarf. Themenseite
- Intensivpflege-Wohngemeinschaft In einer Intensivpflege-Wohngemeinschaft leben mehrere Menschen mit intensivpflegerischem Bedarf in eigenen Zimmern zusammen und werden rund um die Uhr von Fachpersonal versorgt.
- Invasive Beatmung Invasive Beatmung ist eine maschinelle Beatmung über einen künstlichen Zugang zur Luftröhre, in der Regel über eine Trachealkanüle im Tracheostoma.
- IPReG IPReG Das IPReG ist das Gesetz, mit dem die außerklinische Intensivpflege neu geordnet und als eigener Leistungsanspruch in § 37c SGB V verankert wurde.
J
- Jahresbetrag nach § 42a SGB XI Der gemeinsame Jahresbetrag nach § 42a SGB XI ist ein einheitliches Budget von bis zu 3.539 Euro je Kalenderjahr, aus dem Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege gemeinsam finanziert werden. Er steht ab Pflegegrad 2 zur Verfügung.
- Jejunalsonde Eine Jejunalsonde ist eine Ernährungssonde, deren Spitze nicht im Magen, sondern im Leerdarm (Jejunum) liegt. Sie kommt infrage, wenn die Zufuhr über den Magen nicht möglich oder nicht sicher ist.
L
- Lagerung und Positionierung Lagerung, fachlich Positionierung, ist das geplante Verändern der Körperhaltung eines Menschen, der die Position nicht oder nicht ausreichend selbst wechseln kann.
- Leistungskomplexe Leistungskomplexe sind gebündelte Pflegeverrichtungen, die ein ambulanter Pflegedienst als eine Einheit zu einem vereinbarten Preis abrechnet. Sie sind in Landesrahmenverträgen festgelegt.
M
- Medizinischer Dienst MD Der Medizinische Dienst ist eine unabhängige Institution, die unter anderem die Pflegebedürftigkeit begutachtet und Pflegedienste prüft.
- Monitoring Monitoring bezeichnet die fortlaufende Überwachung von Vitalwerten wie Sauerstoffsättigung, Puls und Atmung durch Geräte und Pflegefachkräfte.
O
- Obstipationsprophylaxe Obstipationsprophylaxe bezeichnet die pflegerischen Maßnahmen, die einer Verstopfung vorbeugen sollen. Sie ist bei Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit und bei Sondenernährung ein fester Bestandteil der Pflegeplanung.
- Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) Beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom verschließen sich die oberen Atemwege im Schlaf wiederholt ganz oder teilweise. Es kommt zu Atempausen, Sauerstoffabfällen und kurzen Weckreaktionen.
P
- § 132l SGB V § 132l SGB V regelt die Verträge, die Krankenkassen mit Pflegediensten über die außerklinische Intensivpflege schließen.
- § 37c SGB V § 37c SGB V ist die gesetzliche Grundlage der außerklinischen Intensivpflege und regelt sie als Leistung der Krankenkasse.
- Patientenverfügung In einer Patientenverfügung legt eine einwilligungsfähige volljährige Person schriftlich fest, ob sie in bestimmte künftige ärztliche Maßnahmen einwilligt oder sie untersagt.
- PEG-Sonde PEG Eine PEG-Sonde ist ein dünner Schlauch, der durch die Bauchdecke direkt in den Magen führt und der Ernährung dient.
- Pflegeberatung Pflegeberatung nach § 7a SGB XI ist der kostenfreie Anspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung bei der Auswahl und Inanspruchnahme von Sozialleistungen und Hilfsangeboten.
- Pflegegeld Pflegegeld ist eine Geldleistung der Pflegekasse, die pflegebedürftige Menschen ab Pflegegrad 2 erhalten, wenn sie die Pflege selbst organisieren.
- Pflegegrad Der Pflegegrad beschreibt, wie stark die Selbstständigkeit eines Menschen beeinträchtigt ist, und bestimmt den Umfang der Leistungen der Pflegekasse.
- Pflegehilfsmittel Pflegehilfsmittel sind Produkte, die die Pflege erleichtern oder Beschwerden lindern sollen und von der Pflegekasse bezuschusst werden.
- Pflegetagebuch Ein Pflegetagebuch ist eine schriftliche Aufzeichnung darüber, bei welchen Verrichtungen im Alltag wie oft und wie lange geholfen wird.
- Pflegeüberleitung Pflegeüberleitung bezeichnet die organisierte Vorbereitung und Begleitung des Übergangs von der Klinik in die häusliche Versorgung.
- Potenzialerhebung Die Potenzialerhebung ist eine ärztliche Untersuchung, die einmal jährlich prüft, ob eine Entwöhnung von der Beatmung oder eine Dekanülierung möglich erscheint.
Q
- Qualitätsprüfung Die Qualitätsprüfung ist die regelmäßige Überprüfung ambulanter Pflegedienste durch den Medizinischen Dienst nach § 114 SGB XI.
- Querschnittlähmung Eine Querschnittlähmung entsteht durch eine Schädigung des Rückenmarks, wodurch Bewegung und Empfindung unterhalb der geschädigten Stelle ausfallen können.
R
- Rechtliche Betreuung Die rechtliche Betreuung ist die gerichtliche Bestellung einer Person, die für eine volljährige Person deren rechtliche Angelegenheiten besorgt, wenn diese das krankheits- oder behinderungsbedingt nicht mehr selbst kann.
- Rehabilitation vor Pflege Der Grundsatz „Rehabilitation vor Pflege" nach § 31 SGB XI verpflichtet die Pflegekassen zu prüfen, ob Maßnahmen der Rehabilitation geeignet sind, eine Pflegebedürftigkeit zu überwinden, zu mindern oder eine Verschlimmerung zu verhüten.
S
- Sauerstofftherapie Bei einer Sauerstofftherapie wird der Atemluft zusätzlicher Sauerstoff beigemischt, ohne dass ein Gerät die Atemarbeit übernimmt.
- Sekretmanagement Sekretmanagement fasst alle Maßnahmen zusammen, die Sekret in den Atemwegen verflüssigen, lösen und den Abtransport unterstützen.
- SGB V SGB V Das SGB V ist das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch und regelt die gesetzliche Krankenversicherung.
- SGB XI SGB XI Das SGB XI ist das Elfte Buch Sozialgesetzbuch und regelt die soziale Pflegeversicherung.
T
- Trachealkanüle Eine Trachealkanüle ist ein kurzes, gebogenes Röhrchen, das im Tracheostoma sitzt und den Zugang zur Luftröhre offen hält.
- Tracheostoma Ein Tracheostoma ist ein operativ angelegter Zugang zur Luftröhre am Hals, über den beatmet und Sekret abgesaugt werden kann.
- Tracheostomapflege Tracheostomapflege umfasst alle pflegerischen Maßnahmen rund um das Tracheostoma: Reinigung, Verbandwechsel, Hautbeobachtung und Kanülenversorgung.
U
- Unterdruck-Wundtherapie Bei der Unterdruck-Wundtherapie wird eine Wunde mit einem Füllmaterial versorgt, luftdicht abgeklebt und über eine Pumpe einem kontrollierten Unterdruck ausgesetzt. Wundsekret wird dabei in einen Auffangbehälter abgeleitet.
- Unterstützungsangebote im Alltag (§ 45a SGB XI) Angebote zur Unterstützung im Alltag sind nach Landesrecht anerkannte Betreuungs- und Entlastungsangebote im Sinne des § 45a SGB XI. Nur anerkannte Angebote können über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden.
V
- Verhinderungspflege Verhinderungspflege ist eine Leistung der Pflegekasse, die einspringt, wenn die private Pflegeperson vorübergehend ausfällt.
- Verordnung außerklinischer Intensivpflege Die Verordnung außerklinischer Intensivpflege ist die ärztliche Anordnung, die zusammen mit der Genehmigung der Krankenkasse Voraussetzung für die Versorgung ist.
- Vorsorgevollmacht Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigt eine Person eine andere, ihre Angelegenheiten zu regeln, wenn sie das selbst nicht mehr kann.
W
- Wachkoma Wachkoma bezeichnet einen Zustand nach schwerer Hirnschädigung, in dem Betroffene die Augen öffnen, aber nicht gezielt auf ihre Umgebung reagieren.
- Weaning Weaning bezeichnet die schrittweise Entwöhnung vom Beatmungsgerät mit dem Ziel, wieder eigenständig zu atmen.
- Wohngruppenzuschlag Der Wohngruppenzuschlag ist ein monatlicher Betrag der Pflegekasse für Menschen, die in einer ambulant betreuten Wohngruppe leben.
- Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen sind Umbauten in der Wohnung, die die Pflege ermöglichen oder erleichtern und von der Pflegekasse bezuschusst werden.
X
- Xerose (trockene Haut) Xerose ist der Fachbegriff für trockene Haut. Die Hautbarriere ist geschwächt, die Oberfläche wirkt rau und schuppig und ist anfälliger für Risse und Reizungen.
- Xerostomie (Mundtrockenheit) Xerostomie ist der Fachbegriff für Mundtrockenheit. Die Mundschleimhaut ist nicht mehr ausreichend mit Speichel benetzt, wodurch Borken, Risse und Beschwerden beim Sprechen und Schlucken entstehen können.
Y
- Yankauer-Sauger Der Yankauer-Sauger ist ein starrer, gebogener Absaugansatz aus Kunststoff, der zum Absaugen von Speichel und Sekret aus dem Mund- und Rachenraum verwendet wird.
- Y-Stück im Beatmungsschlauchsystem Das Y-Stück ist das Verbindungsteil am patientennahen Ende eines Beatmungsschlauchsystems mit zwei Schenkeln. Es führt den Einatem- und den Ausatemschlauch zu einem gemeinsamen Anschluss zusammen.
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