Ein Pflegetagebuch hält fest, was im Alltag tatsächlich an Unterstützung nötig ist. Es ist kein amtliches Dokument und wird von niemandem verlangt. In der Praxis ist es trotzdem das wirksamste Mittel, um den Hilfebedarf vor einer Begutachtung nachvollziehbar zu machen.
Warum Erinnerung allein nicht reicht
Der Begutachtungstermin dauert etwa eine Stunde. In dieser Stunde soll ein Bild vom gesamten Alltag entstehen. Viele Angehörige unterschätzen dabei den eigenen Aufwand, weil er über Monate zur Gewohnheit geworden ist. Andere sind aufgeregt und vergessen genau die Situationen, die schwierig sind. Aufgeschriebenes bleibt dagegen greifbar.
Was hineingehört
- Datum, Uhrzeit und Dauer jeder Unterstützung
- Art der Hilfe: erinnern, anleiten, teilweise übernehmen oder vollständig übernehmen
- Nächtliche Einsätze, mit Uhrzeit und Anlass
- Hilfe bei Medikamenten, Verbänden, Sondenernährung oder Absaugen
- Begleitung zu Terminen, Fahrzeiten und Wartezeiten
- Situationen mit Unruhe, Verweigerung oder Orientierungsproblemen
- Was ohne Hilfe nicht stattfinden würde, etwa Kontakte oder Beschäftigung
Wie es geführt wird
Zeitnah eintragen, nicht am Wochenende rekonstruieren. Nüchtern formulieren und nichts dramatisieren. Notiert wird der übliche Verlauf, nicht der beste Tag. Wenn mehrere Personen helfen, sollte erkennbar sein, wer was übernimmt.
Zum Termin gehört das Original auf den Tisch, mit einer Kopie für die Gutachterin oder den Gutachter. Auch nach der Einstufung lohnt es sich, das Tagebuch weiterzuführen: Verändert sich der Bedarf, ist ein Antrag auf Höherstufung damit deutlich besser belegt.


