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Stoma und Pflegegrad: Was Menschen mit künstlichem Darmausgang zusteht

4. November 2026

Ein künstlicher Darmausgang verändert den Alltag. Neben der Operation und der Umstellung stellen sich schnell praktische Fragen: Wer hilft beim Beutelwechsel? Wer zahlt das Material? Und gibt es mit einem Stoma einen Pflegegrad? Viele suchen dafür noch nach dem Begriff „Pflegestufe“. Die Pflegestufen wurden 2017 durch die fünf Pflegegrade ersetzt.

Dieser Beitrag erklärt, wie die Pflegebegutachtung ein Stoma bewertet, welche Leistungen von der Krankenkasse kommen, welche von der Pflegekasse, und wann ein Pflegedienst die Stomaversorgung übernehmen kann.

Gibt es mit einem Stoma automatisch einen Pflegegrad?

Nein. Ein Pflegegrad wird nicht für eine Diagnose vergeben, sondern danach, wie selbstständig ein Mensch im Alltag ist. Der Medizinische Dienst prüft dafür sechs Lebensbereiche, die sogenannten Module, und vergibt Punkte. Wer sein Stoma selbst versorgt und sonst gut zurechtkommt, erhält allein dafür keinen Pflegegrad.

Ein Stoma kann aber zum Pflegegrad beitragen, wenn die Versorgung Hilfe braucht oder weitere Einschränkungen dazukommen, etwa nach einer schweren Erkrankung, im höheren Alter oder bei eingeschränkter Beweglichkeit der Hände.

Wo das Stoma in der Begutachtung zählt

Das Stoma wird im Modul 4 „Selbstversorgung“ bewertet. Dort gibt es ein eigenes Kriterium: die Bewältigung der Folgen einer Stuhlinkontinenz und der Umgang mit einem Stoma. Bewertet wird, ob jemand das selbstständig, überwiegend selbstständig, überwiegend unselbstständig oder unselbstständig erledigt. Modul 4 fließt mit 40 Prozent in die Gesamtbewertung ein und ist damit das am stärksten gewichtete Modul.

Für die Begutachtung bedeutet das: Beschreiben Sie konkret, was beim Stoma nicht mehr allein geht. Zum Beispiel, dass die Basisplatte nicht sicher angebracht werden kann, dass die Haut um das Stoma kontrolliert werden muss oder dass nachts Hilfe beim Entleeren nötig ist. Wie Sie sich insgesamt vorbereiten, steht in unserem Beitrag MD-Begutachtung vorbereiten.

Welche Kasse wofür zahlt

Bei der Stomaversorgung sind zwei Kassen beteiligt. Das ist wichtig, weil sich danach richtet, wo Sie was beantragen:

Leistung Wer zahlt Was Sie brauchen
Stomaartikel (Beutel, Basisplatten, Hautschutz) Krankenkasse Ärztliches Rezept, Versorgung über Vertragspartner der Kasse
Stomaversorgung durch einen Pflegedienst Krankenkasse (häusliche Krankenpflege) Ärztliche Verordnung, Genehmigung der Krankenkasse
Hilfe bei Körperpflege, Anziehen, Alltag Pflegekasse Pflegegrad
Beratung und Anleitung durch Stomatherapie Häufig über den Hilfsmittelversorger Rezept über Stomaartikel

Stomaartikel gehören zu den Hilfsmitteln, die zum Verbrauch bestimmt sind. Dafür fällt eine gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent an, höchstens 10 Euro im Monat. Viele Krankenkassen arbeiten mit festen Vertragspartnern und Monatspauschalen. Fragen Sie vor dem ersten Rezept nach, welcher Versorger für Ihre Kasse zuständig ist.

Stomaversorgung durch einen Pflegedienst

Die Versorgung eines Stomas gehört zur Behandlungspflege. Sie kann ärztlich als häusliche Krankenpflege verordnet werden, wenn die betroffene Person sie nicht selbst übernehmen kann und auch niemand im Haushalt sie leisten kann. Ein Pflegegrad ist dafür nicht nötig. Typische Aufgaben sind:

  • Wechsel von Beutel und Basisplatte nach ärztlicher Anordnung,
  • Beobachtung und Pflege der Haut um das Stoma,
  • Erkennen von Veränderungen wie Rötungen, Schwellungen oder Undichtigkeiten,
  • Anleitung von Betroffenen und Angehörigen, damit die Versorgung Schritt für Schritt wieder selbst gelingt.

Bei Auffälligkeiten entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt über das weitere Vorgehen. Der Pflegedienst dokumentiert und gibt Veränderungen weiter.

Welche Stomaarten es gibt

Umgangssprachlich ist mit Stoma meist der künstliche Darmausgang gemeint. Medizinisch werden drei Formen unterschieden, die sich in der Versorgung unterscheiden:

  • Kolostomie: Ausgang am Dickdarm. Der Stuhl ist meist geformt, die Versorgung ist oft gut planbar.
  • Ileostomie: Ausgang am Dünndarm. Die Ausscheidung ist flüssiger und häufiger, die Haut um das Stoma braucht besonderen Schutz.
  • Urostomie: künstliche Harnableitung. Hier fließt Urin dauerhaft ab, nachts wird oft ein Beinbeutel oder Nachtbeutel angeschlossen.

Für die Begutachtung spielt die Art des Stomas keine eigene Rolle. Entscheidend ist, wie viel Hilfe im Alltag nötig ist. Für die Hilfsmittelversorgung und die Pflege macht sie dagegen einen großen Unterschied.

Alltag mit Stoma

Viele Menschen kehren mit einem Stoma in ein weitgehend normales Leben zurück. Duschen, Arbeiten, Sport und Reisen sind in vielen Fällen wieder möglich, wenn die Versorgung gut sitzt. Hilfreich sind ein fester Rhythmus beim Wechsel, ausreichend Vorrat auch für unterwegs und ein Ansprechpartner für Fragen zur Haut. Unterstützung und Erfahrungsaustausch bieten auch Selbsthilfeverbände. Bei Ernährung und Medikamenten gilt: Fragen Sie die behandelnde Praxis, weil Empfehlungen von der Stomaart und der Grunderkrankung abhängen.

Schwerbehinderung: der Grad der Behinderung

Unabhängig vom Pflegegrad können Menschen mit Stoma einen Grad der Behinderung (GdB) beim Versorgungsamt beantragen. Die Versorgungsmedizin-Verordnung nennt für ein Stoma mit guter Versorgungsmöglichkeit einen Anhaltswert von 50, bei Komplikationen wie ungünstiger Lage, Narben oder einem Vorfall 60 bis 80. Ab einem GdB von 50 gibt es einen Schwerbehindertenausweis. Wie hoch der GdB im Einzelfall ausfällt, entscheidet das Versorgungsamt nach allen Einschränkungen zusammen.

Pflegegrad beantragen: so gehen Sie vor

  1. Antrag bei der Pflegekasse stellen. Ein formloser Anruf reicht, das Datum zählt für den Leistungsbeginn.
  2. Zwei Wochen lang notieren, wobei Hilfe nötig ist, auch beim Stoma und nachts.
  3. Arztbriefe, Medikamentenplan und, falls vorhanden, Verordnungen über häusliche Krankenpflege bereitlegen.
  4. Beim Begutachtungstermin eine vertraute Person dabeihaben.
  5. Den Bescheid prüfen. Gegen eine zu niedrige Einstufung ist ein Widerspruch innerhalb eines Monats möglich.

Eine ausführliche Anleitung finden Sie im Beitrag Pflegegrad beantragen.

Häufige Fragen

Bekomme ich mit einem Stoma Pflegegrad 2?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Entscheidend ist die Gesamtpunktzahl aus allen sechs Modulen. Das Stoma ist ein Kriterium unter vielen.

Zahlt die Krankenkasse den Pflegedienst für den Beutelwechsel?

Ja, wenn die Stomaversorgung ärztlich als häusliche Krankenpflege verordnet und von der Krankenkasse genehmigt ist. Dafür ist kein Pflegegrad nötig.

Was ist, wenn das Stoma nur vorübergehend angelegt ist?

Auch dann kann für die Zeit, in der Hilfe nötig ist, häusliche Krankenpflege verordnet werden. Ein Pflegegrad setzt voraus, dass der Hilfebedarf voraussichtlich mindestens sechs Monate besteht.

Stomaversorgung bei Aquamarin Pflege

Unsere examinierten Pflegefachkräfte übernehmen die Stomaversorgung als Teil der Behandlungspflege in Essen, Gelsenkirchen und im Ruhrgebiet. Auf Wunsch leiten wir Sie und Ihre Angehörigen so an, dass Sie die Versorgung selbst übernehmen können. Wir helfen auch beim Antrag auf einen Pflegegrad und bei der Verordnung.

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Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung.

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