Das Licht geht aus. Das Beatmungsgerät piept. Für einen Moment steht alles still. Ein Stromausfall am Beatmungsgerät gehört zu den Situationen, vor denen viele Angehörige Angst haben. Diese Angst lässt sich jedoch deutlich verkleinern. Denn wer vorbereitet ist, weiß in den ersten Minuten, was zu tun ist. Außerdem legen Ärztinnen, Ärzte und Pflegedienste gemeinsam mit Ihnen klare Abläufe fest. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, was in einen Notfallplan gehört und wie Sie sich in Ruhe vorbereiten.
Warum ein Notfallplan zur Heimbeatmung gehört
Ein Notfallplan ist kein Zeichen von Schwarzmalerei. Vielmehr ist er ein Werkzeug, das Sie handlungsfähig macht. Denn im Ernstfall entscheidet nicht das Wissen aus dem Internet. Es entscheidet, was Sie geübt haben und was griffbereit liegt.
Angehörige beschreiben es oft ähnlich: Solange der Plan nur im Kopf existiert, bleibt die Unruhe. Sobald er auf Papier steht, wird es ruhiger. Deshalb lohnt sich die Vorbereitung doppelt. Zum einen verkürzt sie im Notfall die Reaktionszeit. Zum anderen entlastet sie im Alltag.
Darüber hinaus ist der Notfallplan Teil einer guten Versorgung. In der Heimbeatmung arbeiten Ärztinnen, Ärzte, Pflegedienst und Sanitätshaus zusammen. Alle Beteiligten kennen die Abläufe. Sie als Angehörige sollten sie ebenfalls kennen. Denn Sie sind häufig zuerst vor Ort.
Stromausfall am Beatmungsgerät: die ersten Minuten
Die folgenden Schritte geben Ihnen eine allgemeine Orientierung. Die konkrete Reihenfolge richtet sich allerdings immer nach der ärztlichen Anweisung und nach Ihrer Einweisung in das konkrete Gerät. Bitte besprechen Sie den Ablauf vorab mit Ihrem behandelnden Arzt und Ihrem Pflegedienst.
- Ruhe bewahren und zur beatmeten Person gehen. Atmen Sie einmal bewusst durch. Gehen Sie dann direkt zu der Person, die beatmet wird. Ihre Ruhe überträgt sich — und Sie sehen sofort, wie es ihr geht.
- Gerät prüfen: Schaltet es auf Akkubetrieb um? Sehen Sie auf das Display und achten Sie auf die Anzeige. Viele Geräte melden den Wechsel zur internen Stromversorgung mit einem Alarm. Ob und wie Ihr Gerät umschaltet, entnehmen Sie der Bedienungsanleitung des Herstellers.
- Handbeatmungsbeutel griffbereit halten. Der Handbeatmungsbeutel ist Ihre wichtigste Rückfallebene. Deshalb muss er immer in Reichweite liegen, nicht im Schrank. Wie und wann Sie ihn einsetzen, zeigt Ihnen die Einweisung durch Arzt oder Pflegedienst.
- Bei Problemen mit der Beatmung: Notruf 112. Zögern Sie nicht. Wählen Sie die 112, sobald die Beatmung nicht sicher läuft. Nennen Sie am Telefon klar: Heimbeatmung, Stromausfall, Adresse. Bleiben Sie anschließend in der Leitung.
- Pflegedienst und ggf. Stromversorger informieren. Rufen Sie danach Ihren Pflegedienst an. Er koordiniert die weiteren Schritte. Zudem hilft ein Anruf beim Netzbetreiber, die voraussichtliche Dauer des Ausfalls einzuschätzen.
Ihre Notfallausrüstung
Die folgende Übersicht ist eine allgemeine Orientierung. Die konkrete Ausstattung richtet sich nach ärztlicher Vorgabe und nach der Bedienungsanleitung Ihres Geräts. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem behandelnden Arzt, Ihrem Sanitätshaus und Ihrem Pflegedienst, bevor Sie etwas anschaffen. Wichtig ist außerdem: Alles gehört an einen festen Platz, den jeder im Haushalt kennt.
| Ausrüstung | Wofür |
|---|---|
| Handbeatmungsbeutel | Rückfallebene für die Beatmung von Hand, nur nach Einweisung |
| Geladene Ersatzakkus | Überbrücken den Netzausfall; Anzahl und Typ gibt der Hersteller vor |
| Absauggerät mit Akku | Absaugen von Sekret, auch ohne Netzstrom |
| Taschenlampe oder Stirnlampe | Licht am Bett; die Stirnlampe lässt beide Hände frei |
| Notfallnummern in Papierform | Funktionieren auch dann, wenn das Handy leer oder das Netz gestört ist |
| Geräteliste mit Einstellungen | Rettungsdienst und Klinik erfassen die Situation schneller |
| Geladenes Telefon | Notruf, Pflegedienst, Netzbetreiber — eine Powerbank ergänzt sinnvoll |
Was Sie im Voraus klären sollten
Vieles lässt sich in Ruhe vorbereiten, lange bevor etwas passiert. Klären Sie deshalb die folgenden Punkte gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam:
- Akkulaufzeit Ihres konkreten Geräts: Diese Angabe ist gerätespezifisch. Entnehmen Sie sie deshalb ausschließlich der Herstellerangabe in der Bedienungsanleitung.
- Anmeldung beim Netzbetreiber prüfen: Fragen Sie nach, ob und wie Ihr Haushalt als Nutzer lebenserhaltender Geräte erfasst werden kann.
- Ersatzstrom-Optionen besprechen: Ob zusätzliche Akkus, ein Netzteil fürs Auto oder anderes sinnvoll ist, klären Sie mit Arzt und Sanitätshaus.
- Notfallnummern sichtbar platzieren: Am besten am Kühlschrank und beim Gerät. Zudem gehört eine Kopie in die Notfalltasche.
- Nachbarn und Angehörige einweisen: Zwei Menschen mehr, die Bescheid wissen, machen einen großen Unterschied.
- Einweisung in das Gerät auffrischen: Wiederholen Sie sie regelmäßig. Denn Handgriffe, die man lange nicht braucht, geraten in Vergessenheit.
Diese Punkte gehören in jedes Gespräch über Beatmungspflege. Fragen Sie aktiv danach. Denn niemand erwartet, dass Sie als Angehörige von allein daran denken.
Der Notfallplan als Dokument
Ein Notfallplan wirkt nur, wenn er schriftlich vorliegt. Er gehört an einen festen Platz, den alle kennen. Zusätzlich sollte eine Kopie in der Notfalltasche liegen. Folgendes gehört üblicherweise hinein:
- Die Diagnose und die wichtigsten Besonderheiten der Versorgung
- Alle Geräte mit den ärztlich festgelegten Einstellungen
- Die aktuelle Medikamentenliste
- Kontaktdaten von Ärztinnen und Ärzten, Pflegedienst und Sanitätshaus
- Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, falls vorhanden
Erstellen sollten Sie den Plan nicht allein. Vielmehr erarbeitet ihn die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Pflegedienst. Sie als Angehörige bringen die Perspektive des Alltags ein. Anschließend gehen Sie den Plan gemeinsam durch. Danach wissen alle Beteiligten, was im Ernstfall gilt.
Weiterführende Informationen finden Sie außerdem bei der DIGAB. Das ist die Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für Außerklinische Beatmung. Hinweise zur Vorsorge gibt zudem das BBK, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Beide Stellen ersetzen jedoch nicht die individuelle ärztliche Anweisung.
Wie wir das in unserer Versorgung handhaben
Bei der Aquamarin GmbH gehört die Notfallvorbereitung zum normalen Ablauf. Unsere Pflegefachpersonen kennen die Geräte der von ihnen versorgten Menschen. Zudem prüfen sie Ausstattung und Notfalltasche im Rahmen der täglichen Versorgung.
Darüber hinaus sind wir rund um die Uhr erreichbar. Sie können uns also auch nachts anrufen, wenn Sie unsicher sind. Angehörige weisen wir außerdem in die Abläufe ein und wiederholen das bei Bedarf. Denn Fragen tauchen selten dann auf, wenn man sie erwartet.
Für Geräte, Verbrauchsmaterial und Ersatzteile arbeiten wir eng mit Sanitätshäusern in unserem Versorgungsnetzwerk zusammen. Kurze Wege helfen dabei, offene Punkte schnell zu klären. Wo wir tätig sind, sehen Sie in unserem Versorgungsgebiet im Ruhrgebiet und in NRW.

Häufige Fragen zum Stromausfall bei Heimbeatmung
Was mache ich bei Stromausfall mit einem Beatmungsgerät zu Hause?
Bleiben Sie ruhig und gehen Sie sofort zur beatmeten Person. Prüfen Sie danach, ob das Gerät auf Akkubetrieb umschaltet. Halten Sie außerdem den Handbeatmungsbeutel griffbereit. Läuft die Beatmung nicht sicher, wählen Sie die 112. Der genaue Ablauf richtet sich nach der ärztlichen Anweisung und Ihrer Geräteeinweisung.
Wie lange hält der Akku eines Beatmungsgeräts?
Das ist gerätespezifisch und lässt sich nicht allgemein beantworten. Entnehmen Sie die Akkulaufzeit deshalb immer der Herstellerangabe in der Bedienungsanleitung Ihres Geräts. Zusätzlich hängt die tatsächliche Laufzeit von Alter und Ladezustand des Akkus ab. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrem Sanitätshaus oder Ihrer Ärztin nach.
Muss ich den Netzbetreiber über die Heimbeatmung informieren?
Fragen Sie aktiv bei Ihrem Netzbetreiber nach. Viele Versorger führen Listen für Haushalte mit lebenserhaltenden Geräten. Die Regelungen unterscheiden sich allerdings je nach Anbieter. Klären Sie deshalb direkt dort, welches Verfahren gilt. Ihr Pflegedienst und Ihr Sanitätshaus unterstützen Sie gern dabei.
Wer erstellt den Notfallplan?
Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt erstellt ihn gemeinsam mit dem Pflegedienst. Angehörige bringen zusätzlich ihre Alltagsperspektive ein. Anschließend gehen alle Beteiligten den Plan gemeinsam durch. Wichtig ist außerdem, ihn regelmäßig zu aktualisieren — besonders nach Änderungen an Geräten oder Medikamenten.
Brauche ich ein Notstromaggregat?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ob und welche Ersatzstrom-Lösung sinnvoll ist, hängt vom Gerät, von der Versorgungssituation und von Ihrer Wohnsituation ab. Besprechen Sie die Frage deshalb mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sowie mit dem Sanitätshaus. Beide kennen die Vorgaben des Herstellers.
Was gehört in die Notfalltasche?
Üblich sind Handbeatmungsbeutel, geladene Ersatzakkus, ein Absauggerät mit Akku und eine Taschenlampe. Hinzu kommen Notfallnummern in Papierform, die Geräteliste mit den Einstellungen und ein geladenes Telefon. Die konkrete Ausstattung richtet sich jedoch nach ärztlicher Vorgabe und nach der Bedienungsanleitung Ihres Geräts.
Fazit: Vorbereitung nimmt die Angst
Ein Stromausfall bleibt eine unangenehme Vorstellung. Doch er verliert an Schrecken, sobald ein Plan existiert. Legen Sie deshalb die Ausrüstung an einen festen Platz. Schreiben Sie den Notfallplan gemeinsam mit Arzt und Pflegedienst auf. Frischen Sie außerdem die Einweisung regelmäßig auf. Danach wissen Sie, was zu tun ist — und das beruhigt im Alltag.
Sie haben Fragen zur Heimbeatmung oder zur Notfallvorbereitung? Dann sprechen Sie uns an. Rufen Sie uns unter 0201 874 287 28 an oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Situation.
Dieser Beitrag ersetzt weder die ärztliche Anweisung noch die Einweisung in Ihr Beatmungsgerät. Richten Sie sich im Notfall immer nach den Vorgaben Ihres behandelnden Arztes und der Bedienungsanleitung. Im Notfall: 112.


